50 Teilnehmer starteten am Freitag, 21.03.2025, in aller Frühe zu unserer Fachexkursion nach Prag. Und spätestens bei dem letzten Zustieg um 7:00 Uhr in Himmelkron war klar, diese Exkursion wird frühlingshaft. Kay-Tassilo Pauli hatte, damit die Fahrt bis zur ersten Rast nicht zu lange wird, kleine Snackbrötchen mitgebracht. Die Ireks-Säcke damit wurden durch den Bus gereicht und der kleine Hunger konnte so gestillt werden. Auf der Rastanlage Málkovice-Bor gab es dann die erste Rast mit einer hervorragenden Brotzeit. Manfred Reichert von der Metzgerbräu Uetzing hatte seine feinsten Würste mitgebracht, nach deren Genuss alle dann satt und zufrieden die Weiterfahrt nach Prag antreten konnten.

Vor den Toren Prags stieg dann unser Führer und Dolmetscher für die Zeit in Prag hinzu. So erhielten wir schon während der Fahrt zu unserem ersten Ziel Informationen zu bedeutenden Stationen. So ging es im Ortsteil Smíchov vorbei an der ehemaligen Waggonfabrik Ringhoffer. Grundstein für diese Fabrik war der Betrieb von dem österreichischen Kupferschmied Franz Ringhoffer in der Prager Altstadt, in der Sudpfannen und andere Braugeräte hergestellt wurden. Auch die Waggonfabrik baute weiterhin Einrichtungen und Kühlanlagen für Brauereien. Der Familie Ringhoffer sollten wir dann am zweiten Tag noch einmal begegnen. Ebenfalls in Smíchov gelegen, führte der Weg an der Brauerei Staropramen vorbei. Nach kurzem Fußweg gelangten wir zur Brauerei U Fleků.


Seit 1499 wird hier Bier gebraut. Nach einem kurzen Film und dem ersten dunklen Lager, das mit 13° Stammwürze gebraut wird, erfuhren wir noch Details zur Geschichte des U Fleků. Dann ging es hinauf in das Sudhaus aus dem Jahr 1937, vorbei am Kühlschiff. Zur Stärkung erwartete und dann ein reichliches Mittagessen, zu dem auch das helle Lager probiert werden konnte. Spontan bot sich dann die Gelegenheit, das Brauereimuseum in der ehemaligen Mälzerei kurz zu besichtigen.

Durch die Neustadt führte uns unser Führer dann an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei in Richtung Altstadt und informierte kurzweilig. So ging es vorbei an dem rotierenden Franz-Kafka-Kopf, dem Wenzelsplatz, der Karls-Universität durch die Altstadt zum Altstädter Rathaus. Dort wurden wir im Rahmen eines feierlichen Empfangs durch die Bürgermeisterin Terezie Radoměřská und den 1. Vizebürgermeister David Bodeček begrüßt. Die beiden Nationalhymnen erklangen auf einer Orgel. In ihrer Rede auf Deutsch ging die Bürgermeisterin auf das Verbindende der beiden Regionen ein, das nach Jahren der Schwierigkeiten wichtig ist. Die Ruhe und auch die Geselligkeit schreibt sie dem Bier zu. Wer in Geselligkeit ein Bier im Gasthaus trinkt, hört auch anderen zu. Nach den Grußworten des 1. Vizebürgermeisters, der auf die Städtepartnerschaft einging, dankte unserem Obmann, Martin Neubert, für den freundlichen Empfang. Es wurden die Gast- und Erinnerungsgeschenke übergeben. Bei einem Glas Sekt entstand auch ein reger Austausch mit den Offiziellen von Prag. Durch die Luxus-Einkaufsstraße von Prag ging es dann über die Moldau zu unserem bereitstehenden Bus, der uns zum Hotel in der Nähe der Burg brachte.

Die letzte Besichtigung des Tages fand in der Brauereigaststätte U Medvídků statt. Diese erreichten wir mit der Straßenbahn. Das Gasthaus gehörte einst zu einer großen Brauerei, die es heute so nicht mehr gibt. Aus dem größten Teil der ehemaligen Brauerei wurden Wohnungen. So kommt heute das Bier für die Gaststätte aus einer Minibrauerei. Der Braumeister gab uns bei einem Lager, unfiltriert, 14.66 °, 6,1 %, eine kurze Einführung in die Geschichte des Hauses, bevor wir in Gruppen die Brauerei im Keller besichtigten. Schon beim Lager und auch in der Brauerei war dann Dyacetyl ein Thema. Der buttrige Geschmack, auch beim Pilsner Urquell, gehört zum Bierstil. Wie stark dieser allerdings sein sollte, war für den Braumeister kein Thema. Als weitere Biersorten konnten wir dann ein grünes Bier, das Absinthbier und einen Bock mit
12,6% verkosten. Brot, eingelegter Käse und kräftige böhmische Würste wurden als Snack gereicht. Danach fand der erste Exkursionstag seinen Ausklang.

Das reichhaltige Frühstücksbuffet in unserem Hotel bot die Grundlage für den zweiten Tag. Die schon erwähnte Familie Ringhoffer hatte in Velké Popovice (deutsch Groß Popowitz) 1871 eine Brauerei gegründet, in der 3 Jahre später das erste Bier gebraut wurde und deren Ausstoß wiederum ein Jahr später 18.000 hl betrug. Daniel Urban war von 2016 bis 2023 Braumeister in Velke Popovice und ist seither als Operations Performance Manager in der Brauereigruppe Plzeňský Prazdroj für die Brauereien in der Tschechei und Slowakei zuständig. Zur Einführung gab es wieder einen Film über die Geschichte der Brauerei.

Doch dann stieg Daniel Urban tiefer ein und teilte die Vision von Asahi für den Betrieb. So will man eine der modernsten Brauereien werden und investiert hierfür kontinuierlich. 2022 wurden die ZKTs installiert und weitere Projekte, wie eine zentrale Steuerung und Visualisierung, sind in Planung. Er stellte die Bedeutung der Qualitätssicherung in der Gastronomie dar. Hierauf wird ein sehr hoher Wert gelegt. Ebenso zeigte er die Bedeutung der Produktentwicklung auf. Derzeit wird das alkoholfreie Kozel noch durch Entalkoholisieren gewonnen. Doch will man in Zukunft dies über die Hefe erreichen. Es folgten Fragen der Teilnehmer, welche detailliert beantwortet wurden. Auch Dyacetyl war wieder Thema. Und nun wurde offener über das Thema gesprochen, beim Kozel hat man den Wert von 180 ppi auf 100 ppi gedrückt. Als »normal« würden bei böhmischen Kollegen aber Werte um 300 ppi angesehen.
Im Anschluss ging es auf die Führung. Diese orientierte sich an der üblichen Besucherführung, von der an diesem Samstag noch weitere stattfanden. Diese werden von reinen Führerinnen und Führern durchgeführt. Wir hatten das Glück, dass unsere Führerin den Marketingteil übersprang und ziemlich direkt die Aussichtsplattform über dem Sudhaus ansteuerte. Dies sollte der einzige offizielle Blick in das Sudhaus sein. Er sollte es sein, denn die Tür zum Sudhaus stand offen und welcher Braumeister nutzt bei solch einer Gelegenheit eine Übersetzungsapp für das Schild »Pouze oprávněné osoby«?


Nach Gär- und Lagerkeller gab es dann Kostproben des hellen und dunklen Kozel, als Stärkung bevor es zur Füllerei ging. Den Abschluss der Besichtigung bildete der Besuch bei Olda, dem Ziegenbock und Maskottchen der Brauerei.

Bevor es dann wieder in Richtung Franken ging, stärkten wir uns auf dem Streetfoodfestival, das auf und vor dem Brauereigelände stattfand. Wir verabschiedeten uns von unserem Dolmetscher und Führer, Neklan Jun. Die Rückfahrt führte wieder über Pilsen, wo wir eine Pause zum Einkaufen einlegten, und Cheb nach Schönbrunn.


Richard Hopf begrüßte uns im Getränkemarkt der Langbräu mit frisch Gezapften. In unserem Flyer zur Exkursion hatten wir geschrieben, bei der Langbräu »läufts«. Doch dann kam Anfang des Jahres die Nachricht über die Schließung. Somit war im Vorfeld klar, diese Brauereibesichtigung wird eine der letzten sein. Und so waren auch einige von uns mit diesem Blick traurig gestimmt. Richard Hopf führte uns noch einmal durch die Brauerei und ging auf die Geschichte seiner Brauerei und die Leistung seines Vaters ein. Bei so mancher Anekdote über das Erotikbier seines Vaters Jürgen konnten wir schmunzeln. Richard gab den Kollegen, bei denen es gerade gut läuft, die Empfehlung, einen Positionierungsworkshop durchzuführen. Denn, so seine Meinung, wenn es gut läuft, übersieht man auch einmal, warum es eigentlich gut läuft. Mit einer Zielgruppenpositionierung kann man diese Aspekte auch gezielt nutzen.
Und natürlich wurde auch über die Schließung während der Führung gesprochen. Die Meinungen in unserer Gruppe waren unterschiedlich. Kollegen, welche erst in jüngster Vergangenheit hohe Summen investiert haben, haben einen anderen Blick auf die Zukunft. Richard Hopf hat dies im Kreise der Braumeisterkolleginnen und -kollege offen mitdiskutiert und seine Entscheidung auch noch einmal erläutert. Letztlich muss jeder Unternehmer diese aber für sich selbst treffen.

Nach der Führung ging es dann ins Bräustüberl hinüber. Leider hatte Richard Hopf noch einen anderen Termin und konnte nur kurz dabei sein. So jedenfalls der Plan. Die Bananenaromen im Gärkeller hatten schon viele auf das herrliche Weißbier eingestimmt. Dieses und die anderen hervorragenden Biere genossen wir beim Abendessen. Martin Neubert und Andreas Trunk überreichten dann die Gastgeschenke an Richard Hopf. Er war immer noch anwesend und tauschte sich eifrig mit den Kolleginnen und Kollegen aus. Und auch zurück zum Bus auf dem Brauereigelände begleitete er uns. Bevor wir uns herzlich verabschiedeten.

Als alle im Bus waren, ergriff Richard Hopf das Mikrofon und lobte unseren Busfahrer Christian. Denn selten hat er einen so umsichtigen Busfahrer erlebt, der vernünftig parkt, den Betrieb des Getränkemarktes nicht behindert, anderen keinen Parkplatz wegnimmt und seinen Fahrgästen das Aus- und Einsteigen leichtmacht. »Vielleicht 97% der Busfahrer sind anders,« sein Schlusssatz.
Und auch die letzte Etappe mit unserem Fahrer zurück zu den Einstiegsorten war von dieser hohen Qualität. Danke an alle, die zum Gelingen dieser hervorragenden und informativen Exkursion beigetragen haben.

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